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Claus Bachs Bildarchiv: Druidenfüße, allenthalben

12. Februar 2026 / Radio, Stadtzeit,Mediathek
Claus Bachs Bildarchiv, Foto: Claus Bach
Claus Bachs Bildarchiv, Foto: Claus Bach

In den späten 1970iger Jahren wurde im Osten Deutschlands ein Buch zum Kult. Was zur Folge hatte, dass kurzzeitig fünfeckige Druidenfüße auf den Gehwegen einiger Städte auftauchten. Als kreidegezeichnetes Label zur kollektiven Beschwörung vermeintlicher Befreiungsgeister von damals erstarrter Betonkopf-Diktatur.
Gemeint ist der Roman „Der Meister und Margarita" des russischen Schriftstellers Michail Bulgakow. Über mehrere Jahre schrieb er an seinem
Werk, welches im Moskau der 1930iger Jahre spielt. Inspiriert von Goethes „Faust". So ist dem Roman denn auch gleich der unvermeidliche Klassiker vorgeschaltet: „Nun gut, wer bist Du denn? – Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft."
Bulgakow entwickelte eine allegorisch komplexe, bissige Satire auf das Leben in der russischen Hauptstadt jener Zeit. Gerichtet gegen die gängigen staatlich verordneten Korruptions- und Überwachungspraktiken, hohler Staatspropaganda inklusive berüchtigter Säuberungen Stalins.
Zu diesem Zweck erfand Bulgakow mehrere Handlungsstränge. Ein wesentlicher ist die Ankunft des Teufels in der russischen Hauptstadt. In Gestalt eines Herrn Voland, „Professor für schwarze Magie". Begleitet von seinen fünf Gehilfen:

Als da wären Dolmetscher Fagott, Kater Behemoth, Hexe Gella, Todesdämon Asasello und Todesengel Abaddon. Im Verlauf des Romans wirbelt jenes Sextett das erstarrte Leben des repressiven Sowjetstaates erfrischend durcheinander. Besonders genüsslich las man jene Szenen, in denen Herrn Volands Gehilfen die lokalen Polit- und Propagandaköpfe unbekümmert vernichteten. Aber auch Normalbürger/innen wurden dadurch zu Akteuren. Neben den klassisch verhandelten existentiellen Themen kristallisiert sich dabei eines besonders heraus:
Keine Sünde ist größer als die Feigheit.
Für viele Menschen im damaligen Ostblock wirkte „Der Meister und Margerita" wie eine Art Gleichnis, das auch Mut zum Handeln einflößte.
Im Jahr 2025 war in den deutschen Kinos eine neue Verfilmung jenes Romans zu sehen. Ausgerechnet als russisch-europäische Phantasie-Produktion, noch begonnen vor dem Überfall Russlands auf die Ukraine.
Was selbstverständlich sehr viele Nationalisten mehr als empörte. Doch selbst in Moskau wurde jener Film zum Publikumsrenner, der durchtrieben Phantasie und Realität vermischte.
Es ist kaum zu glauben, wie nun die Bilder des Propaganda-Moskaus der 1930iger Jahre denen vom Februar 2026 gleichen.
Es wird Zeit, das Asasello, Behemoth und Gella über die zutiefst verlogenen Moskauer Kriegstrolle kommen und zünftig aufräumen.
Das wäre doch mal eine schöne Initialzündung.

CB

 

Claus Bachs Bildarchiv: Druidenfüße, allenthalben

Autor: nbv