Die Radio-LOTTE-Story
Von wilden Partys zum Stadtradio – die Geschichte von Radio LOTTE
Alles beginnt Mitte der 90er in Weimar. Eine kreative Gruppe nennt sich augenzwinkernd „Fachbereich zur Vorurteilsbildung“ und organisiert außergewöhnliche Themenpartys. Ob „James Bond“ oder „Mord im Orient Express“ – ihre Events verbinden Kunst, Musik und Stadtgesellschaft. Schnell entsteht ein Netzwerk voller Ideen, Talente und Leidenschaft. Und eine Vision wächst: eigenes Radio machen.
Parallel dazu entsteht die Idee eines Medienzentrums für das Kulturhauptstadtjahr 1999 – doch sie scheitert an Bürokratie. Die Gruppe gibt nicht auf. Inspiriert durch Projekte an der Bauhaus-Universität und neue Möglichkeiten für Bürgermedien entwickeln sie ein Radiokonzept – ein Sender von Bürgern für Bürger, der das kreative Potenzial der Stadt bündelt.
1999 ist der Durchbruch. Radio LOTTE Weimar e.V. wird gegründet. Der Name verbindet Weimarer Kulturgeschichte mit Radioklang – und ein bisschen Kampfgeist („lotte“ = italienisch für Kämpfe). Noch im selben Jahr geht der Sender auf Sendung – zunächst improvisiert aus einem Uni-Studio, bald täglich und mit wachsender Community.
Doch der Weg ist steinig. Das ursprüngliche Konzept eines offenen Kanals wird abgelehnt. Erst durch starken Rückhalt aus der Stadt gelingt der Neustart als nichtkommerzielles Lokalradio. Im November 1999 kommt endlich die Sendelizenz – und ein eigenes Studio am Herderplatz. Möglich wird das alles durch enormes ehrenamtliches Engagement.
In den 2000ern wächst das Programm stetig. Vom stundenweisen Betrieb zum festen Tagesprogramm. 2001 sorgt eine ungewöhnliche Idee für Aufsehen. Die Radio-Rikscha – ein mobiles Studio auf drei Rädern, mit dem live aus ganz Europa gesendet wird.
2008 zieht Radio LOTTE in den Niketempel am Goetheplatz – ein historischer Ort, der wieder zum kulturellen Treffpunkt wird. Konzerte, Lesungen und Diskussionen finden nun im Sendesaal statt – und gehen direkt on air.
Auch journalistisch setzt der Sender Zeichen: 2013 berichtet er als eines der wenigen Bürgerradios regelmäßig vom NSU-Prozess in München und wird bundesweit gehört.
Spätestens 2015 ist Radio LOTTE voll angekommen. 24 Stunden Programm täglich. Ein Jahr später folgt mit „Radio LOTTE Plus“ der Schritt ins Digitale – mit mehr Beteiligung, mehr Inhalten und mehr Nähe zur Stadt.
Heute ist Radio LOTTE Weimar das, was einst als Idee begann:
ein lebendiges, mutiges Stadtradio – gemacht von Menschen, die zeigen, was möglich ist, wenn Kreativität auf Engagement trifft.