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Claus Bachs Bildarchiv: Asteroid Nr. 1772

13. März 2024 / Radio, Stadtzeit,Mediathek
Claus Bachs Bildarchiv, Foto: Claus Bach
Claus Bachs Bildarchiv, Foto: Claus Bach

Die fünf Fragen für die Bürger aus den alten Bundesländern waren ein gemeiner Allgemeinbildungstest in einschlägigen Milieus der 1990iger Jahre. Als trotzige Reaktion auf die Besserwisser-Mentalität der damals neuen Brüder und Schwestern. Einseitig hatten diese Fragen ausschließlich sowjetische Weltraumfahrt-Erfolge der 1960iger Jahre zum Inhalt. Da konnte der ordinäre Westler freilich nicht lange mithalten und war spätestens nach Frage drei aus dem Rennen – zum albernen Triumph des Ostlers. Heute ist das Ganze zu Recht aus der Mode gekommen.

Doch es lohnt, diese Fragen aus der Versenkung zu holen. Zum einen, weil sich besagtes Allgemeinbildungsdefizit flächendeckend in alle Himmelsrichtigen ausgebreitet hat. Zum anderen, weil ein gewisser Juri Alexejewitsch Gagarin am vergangenen 09. März 2024 ganze 90 Jahre alt geworden wäre. Am 12. April 1961 hatte er als erster Mensch im Weltall die Erde umkreist. Juri Gagarin war Antwort auf Frage drei jenes Tests, die nach dem ersten Menschen im Weltall. Freilich nutzte die damalige UDSSR ihren Weltraumpiloten propagandistisch und belohnte ihn entsprechend: In Form zahlreicher materieller Zuwendungen und Privilegien. Und der 12. April wurde gleichmal zum „Tag des Kosmonauten" erklärt. Ein Foto aus dieser Zeit geriet damals zur visuellen Ost-Ikone:

Es zeigt die winkenden Weltraumpiloten Juri Gagarin und Valentina Tereschkowa in einer offenen Limousine inmitten jubelnder DDR-Bürger auf der Karl Marx-Alle in Berlin. Valentina Tereschkowa war die erste Frau im Weltall - was Antwort auf Frage vier des Tests gewesen wäre. Die fünfte Frage war die nach dem ersten unbemannten Mondfahrzeug. Das hieß „Lunochod" und stammte auch aus UDSSR-Produktion. Im Frühjahr

1969 kurvte es ferngesteuert auf dem Erdtrabanten herum.

Ein Jahr zuvor Jahr starb Juri Gagarin bei einem Testflug im Alter von nur 34 Jahren. Valentina Tereschkowa lebt heute mit ihrer Familie als zweifache Großmutter in Moskau. Am 12. Juni 2013 verlieh ihr Präsident Wladimir Putin den Alexander-Newski-Orden. Bis heute ist sie eine energische Propagandistin seines Angriffskrieges auf die Ukraine. Die Fragen eins und zwei besagten Wissenstests hatten übrigens den ersten Weltraumsatelliten Namens „Sputnik" und das erste Tier im Orbit, die russische Hündin „Laika", zum Inhalt.

Rückblickend gesehen waren die russischen Weltraumerfolge der 1960iger Jahre der propagandistischer Selbstläufer und zugleich Höhepunkt internationalen Ansehens des damaligen Ostblocks unter russischer Dominanz. Begründet durch technologische und physische menschliche Höchstleistungen. Sie sollten niemals wiederkehren.

Einzige Zeitzeigen sind heute zahlreiche Juri-Gagarin-Denkmäler und Strassen im Osten Deutschlands. So auch in Erfurt.

Selbst der Asteroid Nr. 1772 trägt seinen Namen.

 

(Claus Bach)

Claus Bachs Bildarchiv: Asteroid Nr. 1772

Autor: nbv