Radio Beiträge
Claus Bachs Bildarchiv: Die unsichtbare Sammlung
23. April 2026 / Radio, Stadtzeit,Mediathek
Wie würde sie aussehen, wenn es sie denn gäbe: Die Sammlung Weimar. Dieser Frage geht die hiesige ACC-Galerie äußerst ausführlich nach. Bereits seit dem 21. Februar sind in jener Örtlichkeit 133 zeitgenössische Kunstwerke von insgesamt 72 KünstlerInnen zu sehen und erleben. Und die beschäftigen sich explizit und äußerst facettenreich mit der Kleinstadt an der Ilm. Von klassischer Malerei, Zeichnung, Skulptur und Fotografie bis hin zur Videokunst.
Nichts, aber auch gar nichts wurde ausgelassen. Selbst ein sogenanntes interaktives Projekt lädt BesucherInnen dazu ein, ihre ganz eigenen Bildergeschichten aus 450 kleinen Privat - und Ansichtskartenfotografien zu kreieren. Im zweiten Obergeschoß der Galerie hat die Künstlerin Anke Heelemann jene Möglichkeit geschaffen. Hier können alle ihre lokalen und privaten Befindlichkeiten auf einem großen schwarzem Tisch und zwei schwarzen Wandstreifen hinterlassen und per Kreidestift kommentieren. Allen ihre Bilderstory. Und jenes Angebot wurde ausgiebig angenommen. Herausgekommen ist ein mächtiger kleinteiliger Bilderraum. Eine Art selbst wachsende Fotocomic - Installation. Bevor man sich allerdings in jene begibt, sollte das Labyrinth der Show im ersten Obergeschoss durchwandert werden. Von Raum zu Raum gliedert es sich in markante ortsspezifische Kapitel. Begonnen mit Arbeiten zu Weimars Parks und einer Art Trash-Raum des Dichterpaares. Hier werden überborde Erscheinungsformen des musealen Klassikerkults ironisch durchgenommen.
Die folgenden räumlichen Kapitel reflektieren über Weimars Nazizeit, die Gedenkstätte Buchenwald und die 1989iger Wendezeit. Mitten im unvermeidlichen DDR-Fotoraum schwebt die Bronzeskulptur eines springenden Pferdes, welches einst im Weimarhallenpark stand. In den späten 1990iger Jahren musste es wegen Instabilität seiner Sprunggelenke abgebaut werden. So füllen sich auch Erinnerungslücken der jüngsten Vergangenheit.
Das 1999iger Kulturstadtjahr wird kompakt in einem Raum verhandelt. Wie in einer Zeitkapsel sind realisierte und auch nicht realisierte Projekte jenes Jahres versammelt. Zentral wird das gescheiterte Stelen-Projekt auf dem Weimarer Rollplatz spürbar dargestellt. Es stammt vom Konzeptkünstler Daniel Buren und sieht so aus, als ob es heute immer noch auf seine Realisierung warten würde. Umrankt von explizit ironischen Arbeiten: Als da wären eingeweckte Kulturfrüchte, ein Prominenten-Minibillard, Schokoladen-Geheimratsecken und Halbstarken-Lederjacken von 1999er Kulturstadt-Rockern. Eine skurrile Kampfansage vergangener Tage, die bis heute immer noch aktuell wirkt. Apropos Ansage. Eigentlich sollte diese Show am 26. April enden. Jetzt wird sie bis zum 5. Juli verlängert. Also Zeit genug für jene, die sie noch nicht sehen konnten. Daniel Buren und all seine KollegInnen werden ihre Freude daran haben.
CB
Claus Bachs Bildarchiv: Die unsichtbare Sammlung
