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Claus Bachs Bildarchiv: Ernüchterndes Jubiläum

03. Mai 2023 / Radio, Stadtzeit,Mediathek
Claus Bachs Bildarchiv, Foto: Claus Bach
Claus Bachs Bildarchiv, Foto: Claus Bach

Genau heute jährt sich der "Welttag der Pressefreiheit" zum 29. Mal. Er wurde am 20. Dezember 1993 auf der UN-Generalversammlung als Aktionstag initiiert. Laut Online-Lexikon Wikipedia ist der Hintergrund die sogenannte "Deklaration von Windhoek". In ihr wird die "Schaffung einer unabhängigen, pluralistischen und freien Presse als Eckstein für Demokratie und wirtschaftliche Entwicklung" gefordert.

Seither nutzen Organisationen wie "Reporter ohne Grenzen" jenen Tag, um auf Willkür und Gewaltmaßnahmen gegenüber Journalisten hinzuweisen. Doch merke: Die Freiheit der Presse wurde auch schon immer gern benutzerdefiniert verwendet. Unter anderem freilich zur gezielten Streuung von Falschmeldungen, Verschwörungstheorien und dergleichen. Verbunden mit entsprechend aufbereiteten Bildern. Und nicht erst seit dem Durchmarsch der künstlichen Intelligenz gilt es, den Wahrheitsgehalt von Pressebildern besonders genau zu durchleuchten. Denn einen Papst mit schicker weißer Designer-Daunenjacke hat es schlicht so nicht gegeben. Ebenso wenig die bildergenerierten Verhaftungen zweier zeitgenössischer Polit-Trolls.

Überflüssig zu sagen, dass jene Bilderfakes eine lange Tradition haben, die seit der Erfindung der Fotografie existiert. Mit ihrer Digitalisierung hat bekanntermaßen eine Art Quantensprung stattgefunden. Bereits Mitte der 1990iger Jahre bemerkte der deutsche Journalist Herbert Riehl-Heyse treffend:

"Wenn uns nichts mehr geglaubt wird, weil alle Bilder und Reportagen sowieso manipuliert sind, dann werden die Leute endgültig auf Horror- und Zombiefilme umsteigen. Denn da wissen sie, dass die Figuren mit dem Kopf unter dem Arm echte Erfindungen sind."

Seine sarkastische Prophezeiung sollte sich nicht erfüllen.

 

(Claus Bach)

Claus Bachs Bildarchiv: Ernüchterndes Jubiläum

Autor: nbv