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Claus Bachs Bildarchiv: Es brodelt im Land
27. September 2023 / Radio, Stadtzeit,Mediathek
Spätestens 33 Jahre nach der Wiedervereinigung beider Teile Deutschlands sollte eigentlich die Rückbesinnung auf die vergangene Zeitspanne in allen Kanälen erneut durchgenommen werden. Inklusive Vorgeschichte, Umstände und Nachwirkungen jenes Ereignisses. Gern anhand persönlicher Biografien ehemaliger DDR-Bürger und Bürgerinnen aus verschiedenen Generationen und sozialen Schichten.
Doch am vergangenen Montag kam es anders. Denn die TV-Reportage "Hört uns zu!" der Journalistin Jessy Wellmer berichtete explizit von einer vermeintlich tiefen Kluft zwischen Ost- und Westdeutschen. Und deren Auswirkungen. Ein angestellter junger Techniker brachte die Angelegenheit gleich zu Beginn auf den Punkt: Für ihn sind die gravierend unterschiedlichen Einkommens- und Besitzverhältnisse der Bürger beider Teile Deutschlands Hauptgrund jener Entfremdung. Laut eingeblendeter Umfrage fühlen sich 43% der Ostdeutschen immer noch als Bürger zweiter Klasse und so weiter. Da helfen nur bedingt ostdeutsche Erfolgsgeschichten wie die des Cheftrainers des 1. FC Köln, Steffen Baumgart. Auch er musste zuvor über das Klischee "Der Ossi" hinweg und sich schlichtweg durchsetzen. Er hofft weiter auf das Zusammenwachsen beider Teile Deutschlands durch gegenseitige Toleranz und Sprechens miteinander.
Der ebenfalls erfolgreiche Literaturprofessor Dirk Oschmann sieht das anders. In seinem Buch "Der Osten. Eine westdeutsche Erfindung" rechnet er mutwillig polemisch mit den Westdeutschen und ihrer Arroganz gegenüber den Ostdeutschen ab. Wie du mir, so ich Dir. Auge um Auge. Eine Wutbibel der ganz eigenen Art.
Die Chemnitzer Mädchenband "BLOND" besteht trotzig auf ihrer Identität und spielt unter anderem auch gegen den aufkommenden politischen Rechtsruck in ihrer Stadt an. Denn der ist gravierend und trägt mittlerweile fatale Früchte. Etwa dann, wenn sich immer mehr Bürger:innen von den vermeintlich etablierten Parteien und vor allem der Demokratie abwenden. Am Ende der Reportage mahnte ausgerechnet der langjährige Chefredakteur der ostdeutschen "SUPERILLU" die Ostdeutschen vor allem zu mehr Selbstbewusstsein, ohne dabei arrogant zu texten: "Diese Selbstverzwergung, die dann auch gepredigt wird, die halte ich für völlig überholt". Das kann man getrost erstmal so stehen lassen. Besagte Reportage ist in der Mediathek der ARD abrufbar.
(Claus Bach)
Claus Bachs Bildarchiv: Es brodelt im Land