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Claus Bachs Bildarchiv: Sag niemals nie

14. August 2024 / Radio, Stadtzeit,Mediathek
Claus Bachs Bildarchiv, Foto: Claus Bach
Claus Bachs Bildarchiv, Foto: Claus Bach

Spätestens, wenn ein Konterfei nach dem anderen an den Straßenrändern und Kreuzungen der Dichterstadt in Form mittel- und großformatiger Poster auftaucht, wissen alle wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger Bescheid. Im Freistaat stehen Wahlen an. Zum achten Mal seit der Wiedervereinigung soll ein neuer Thüringer Landtag gewählt werden.

Und die Reklame für die Frontfiguren aller relevanten Parteien nimmt Fahrt auf. Im Tagestakt vergrößert sich die visuelle Armada der Polit-Sichtreklame. Entlang des stark frequentierten Stadtrings ist das besonders gut zu beobachten. Wie übergroße Schlingpflanzen winden sich die hochformatigen A1-Poster an den Straßenbeleuchtungsmasten gen Himmel. Selbstverständlich wird auch deren Krümmung bespielt. Was für die jeweiligen Aktivisten ein ziemlich artistischer Akt gewesen sein dürfte. Der Kampf um größtmögliche Aufmerksamkeit spitzt sich routiniert zu. Denn beim meist flüchtigen Betrachten im Vorbeifahren oder Gehen bleibt nicht sehr viel im Gedächtnis hängen. Die mehr oder weniger gut fotografierten Porträts der jeweiligen Partei-Granden wirken mehr oder weniger austauschbar. Sowohl einzeln als auch händeschüttelnd paarweise. Entweder blicken sie freundlich optimistisch oder sehr gespannt in die Kamera. Vor den einschlägigen parteigebundenen Farbgründen. Manchmal wirkt der eine oder andere Kandidat etwas überschminkt. Um es gelinde auszudrücken. Denn die Differenz zwischen seinen Live – Auftritten und der Abbildung auf dem Wahlposter ist immens auffällig.

Als ob er dem Algorithmus des neusten KI-Bildgenerators entsprungen ist. Eine andere Print – Kampagne erscheint in mutwillig minimalistischer Schwarzweiß-Manier und zeigt nicht nur ihren Frontmann.

Sondern lediglich seine Füße in schwarz schimmernden Boots, die vor einem hingeworfenen Bumenstrauß auf weißen Fußboden stehen. In provozierend nachgestellter Anspielung auf eine Szene aus dem Frühjahr 2020, die sich im Thüringer Landtag abgespielt und damals ein überregionales Politbeben ausgelöst hatte. Das ist freilich eine durchtriebene und riskante Strategie. Offen bleibt, wie die sich im September auszahlt. Bekanntlich sollte man niemals nie sagen.

 

Claus Bach 

Claus Bachs Bildarchiv: Sag niemals nie

Autor: nbv