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Claus Bachs Bildarchiv: Schreib dein eigenes Transparent

09. Oktober 2024 / Radio, Stadtzeit,Mediathek
Claus Bachs Bildarchiv, Foto: Claus Bach
Claus Bachs Bildarchiv, Foto: Claus Bach

Am 9. Oktober 1989 hatten in Leipzig die Demonstrationen für Freiheit und Demokratie ihren Höhepunkt erreicht. Bis heute haben sich deren Bilder ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Rund 70.000 Menschen waren in den Abendstunden jenes Tages vor genau 35 Jahren auf dem Augustusplatz und dem Innenstadtring unterwegs. Eine Dimension, die Monate vorher absolut unvorstellbar war und immer wieder Erstaunen auslöst. Und selbstverständlich wird an jenen historischen Abend zu Recht mit konstanter Regelmäßigkeit erinnert. Neben Ausstellungen besagter Dokumentationsfotografien jener Montagsdemos haben lokale Veranstalter seit dem Jahr 2009 das sogenannte „Lichtfest Leipzig" installiert. Selbstverständlich in symbolischer Anspielung an die zahlreichen Kerzen, welche damals viele Menschen während der Demos mit sich trugen. Das Fest wird von der Stadt Leipzig, der „Leipziger Tourismus Marketing" und der Initiative „Herbst 89" organisiert. Seither wurden Künstlerkollektive verschiedenster Coleur eingeladen, Projekte für den Ort und das Ereignis zu realisieren. In Form diverser Installationen, Performances, Videoprojektionen, Konzerte und dergleichen. Die wurden dann an mehreren Orten entlang der 1989iger Demonstrationsroute installiert. Unter großer Publikumsresonanz. Erstarrte anfangs noch einiges im verklärten Haushaltskerzen geschwängerten Erinnerungspathos, entwickelte das Lichtfest zunehmend ein länderübergreifendes Eigenleben. Es wurde verstärkt mit Künstlerinnen und Künstlern aus Städten und Ländern zusammengearbeitet, welche im Kontext der Leipziger Revolutuionshistorie standen. So auch in diesem Jahr. Zum 35. Jahrestag wird die authentische Demonstrationsroute ausführlich in Szene gesetzt.

Von 19 bis 24 Uhr bespielen internationale Künstlerkollektive in über 20 Lichtinstallationen jene Route. Auch die örtliche Fotothek der Weimarer Künstlerin Anke Heelemann ist diesmal mit von der Partie.
In Kooperation mit dem Medienkünstler Christian Scheibe und einem Technikerteam hat sie ein außerordentlich durchtriebenes Projekt entwickelt: Auf projizierten Fotografien der 1989iger Demo wurden die Forderungen und Losungen der damaligen Transparente und Banner herausgelöst. Diese neuen weißen Flächen können nun vom Publikum des Lichterfestes per Touchscreen neu beschrieben werden. Dazu schreibt sie: „Was haben wir damals gefordert? Was bedeutet 1989 heute? Welche Freiheit brauchen wir? Wofür wollen wir heute eintreten?" „Reflexion" nennt sich ihre interaktive Installation und wird am Bürgerbüro Dittrichring / Ecke Otto-Schill-Straße zu sehen sein. Das ist schon eine wunderbare Idee, die zum Innehalten und Weiterdenken einlädt. Und genau das ist das Besondere. Denn so entsteht ein Stimmungsbild zwischen Vergangenheit und Zukunft. Revolutionslametta war vorgestern.

Claus Bach 

Claus Bachs Bildarchiv: Schreib dein eigenes Transparent

Autor: nbv