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Claus Bachs Bildarchiv: Skandal um Teddy
16. November 2022 / Radio, Stadtzeit,Mediathek
Oder: „Bist Du Kommunist, dann teil den Mist!". Dieser kindische Spruch machte in den 1980iger Jahren als Verballhornung des Kommunismus die Runde. Zu DDR-Zeiten gab es wohl kaum ein Dorf oder eine Stadt, dessen Straßen oder Plätze nicht den Namen Ernst „Teddy" Thälmanns trugen. Jenes Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Deutschlands in Zeiten der Weimarer Republik. Arbeiterführer, selbstloser Held und später Märtyrer, nachdem er im KZ Buchenwald am 18. August 1944 von SS-Schergen ermordet wurde. Ihm zu Ehren trugen viele sozialistische Arbeitskollektive, Brigaden, Institutionen und selbstverständlich auch Betriebe seinen Namen und sein Konterfei. Inklusive der damaligen Pionierorganisation, diverser Denkmale, Fahnen, Banner, Abzeichen, Porzellanteller, Tassen und dergleichen. Kurzum, ein außerordentlicher Heldenmythos in seiner geronnensten Form. Ordinäres personal Merchandising. So ist noch heute in Weimar der verblasste Wahlkampf-Spruch „Wählt Thälmann!" aus dem Jahr 1932 neben dem Schaltkasten an einer unsanierten Häuserfassade entlang der Trierer Straße/Ecke Richard-Wagner Straße auszumachen. Des weiteren weist freilich auch sein übergroßes Denkmal am heutigen Buchenwaldplatz symbolisch auf sein Schicksal und stellvertretend jenes vieler Zeitgenossen hin. Womit wir sogleich im historischen respektive zeitgenössischem Lokalkolorit angekommen wären. Denn vor einem Jahr wurde eben jenes Denkmal temporär mit einem großen hellem Tuch verhüllt. Wie ein albernes Gespenst sah das aus und wollte wohl den berühmten Karl Marx'schen Ausspruch vom Gespenst des Kommunismus, das in Europa umgeht, verdinglichen. Doch mitnichten.
Denn jene Aktion war damals Bestandteil eines mehrtägigen
Geschichtfestivals, welches unter anderem die ambivalente Rolle des ehemaligen KPD-Führers zum Thema hatte.
Initiert von der Gesellschaft zur Erforschung der Demokratie-Geschichte.
Die einen sahen die Denkmalsverhüllung als mutwillige Verhöhnung der Opfer des Nationalsozialismus, andere als längst überfällige historische Aufklärung. Und letzteres ist mehr als zutreffend.
So verwiesen die Veranstalter unter anderem auf die nicht gerade rühmliche Rolle Thälmanns in seinem Kampf gegen die junge Weimarer Republik.
Um es mal vorsichtig auszudrücken. Weniger bekannt ist auch, dass Thälmann erklärter Gegner jener jungen deutschen Demokratie war und ein Deutschland nach stalinistischem Vorbild errichten wollte. Für ihn waren kurzzeitig nicht etwa die Faschisten die Hauptfeinde, sondern die Sozialdemokraten, die er bisweilen gern auch als „Sozialfaschisten" und „Vasallen des Kaptials" nannte. Mehr noch. Denn dafür wurde auch schonmal zusammen mit den Nazis im Jahre 1931 gegen diverse Unternehmer sprich Kapitalisten gestreikt. Jener Spruch Thälmanns aus dem Jahr 1931 bringt die Sache auf den Punkt: „Man kann den Kapitalismus nicht zerschlagen, ohne die Sozialdemokratie zu vernichten."
Die SPD würde die Arbeiter vom Klassenkampf abhalten und so weiter.
Bekannte Sprüche, die zu schwarzweissen DDR-Zeiten selbstverständlich gern im Geschichts- und Staatsbürgerkundeunterricht genommen und gebetsmühlenartig heruntergeleiert wurden.
Aua. Wenn das wohl damals die vielen nicht wirklich allseits gebildeten sozialistischen Persönlichkeiten zum SED-Parteitag gewusst hätten.
Starker, lang anhaltender, nicht endend wollender Beifall.
(Claus Bach)
Claus Bachs Bildarchiv: Skandal um Teddy
