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Claus Bachs Bildarchiv: Was ist Doomscrolling?

08. April 2026 / Radio, Stadtzeit,Mediathek
Claus Bachs Bildarchiv, Foto: Claus Bach
Claus Bachs Bildarchiv, Foto: Claus Bach

„Doomscrolling oder Doomsurfing bezeichnet das exzessive Suchen negativer Nachrichten im Internet. Der gesteigerte Konsum von vornehmlich negativen Schlagzeilen kann psychophysiologische Folgen haben...Der Begriff tauchte das erste Mal im Jahre 2018 im Netzwerk Twitter auf." So verzeichnet es die Plattform Wikipedia. Und wenn es nach den Gesetzen der gegenwärtigen russischen Regierung geht, sollte jene weltweite Wissensplattform wohl auch rasch verboten werden. Wegen massenhafter Verbreitung von Falschnachrichten. So belegte sie die russischen Mitarbeiter der Plattform im Jahr 2022 mit einer hohen Geldstrafe. Eben wegen jener Erwähnung des Wortes Krieg und der damaligen Kriegsverbrechen in der ukrainischen Kleinstadt Butscha. Dass die nach den veröffentlichten Bildern eines US-Satelliten belegt waren, galt in den Augen der russischen Medien selbstverständlich auch als Bilder-Fake. Die vor Ort zur Schau gestellten Leichen von Zivilisten sind ordinäre lebendige Schauspieler und so weiter. Alles inszeniert. Seit jenen Tagen hat sich jene Staats-PR in einer außerordentlich bizarren Parallelwelt eingerichtet. Eine Informationsblase in seiner reinsten Form. Bald wird sie ihrem russischen Publikum via Dauerberieselung weismachen, dass die Erde eben doch eine Scheibe ist und basta. Auch die Jahreszeiten unterliegen der Obhut des russisch-orthodoxen Patriarchen Kyril dem Ersten. Von den Gesetzen der Gravitation ganz abgesehen. Die sind selbstverständlich von den dekadenten Medien der westlichen Welt manipulativ über das tapfere russische Volk gekommen. So schnell wurde passend gemacht, was partout nicht passt.

Und es funktionierte bisweilen. Wie außerordentlich miese Musik, die in Dauerschleife in die Hirne aller Konsumenten einrieselt. Irgendwann finden den Mist alle super. A propos Doomscrolling. Damals nahm das öffentlich-rechtliche TV seine allabendlichen Extra-Sendungen zum Krieg in der Ukraine aus dem Programm. Begründung: Die andauernd beunruhigenden Negativnachrichten könnten sich auf Teile der ZuschauerInnen psychologisch negativ auswirken. Was nicht ganz unbegründet war.
Und seit dem Ausbruch des amerikanisch-israelischen Irankrieges haben sich auffällig wenige Spezialsendungen ins Hauptprogramm geschlichen.
Stattdessen diffundiert die Angelegenheit in nächtliche Talkshows.
In Sachen Wikipedia verfolgt die gegenwärtige US-Regierung einen ähnlichen Kurs wie die russische und will deren Gemeinnützigkeit kippen.
Ihr Vorwurf lautet schlicht Meinungsmanipulation. Bisher allerdings ohne Erfolg. Doch zuletzt bei allem Negativen noch eine gute Nachricht:
Die „Z Bar" und das „Z inema" in Berlin Mitte behalten ihre Namen und bleiben bei Öffnungszeiten und Programm. Das ist wenigstens mal was.

 

CB 

Claus Bachs Bildarchiv: Was ist Doomscrolling?

Autor: nbv