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Claus Bachs Bildarchiv: Brutalismus, neu aufgelegt
25. April 2022 / Radio, Stadtzeit,Mediathek
Reichlich drei Jahre sind seit der Eröffnung des Bauhaus-Museums Weimar ins Land gegangen. Und damit Zeit für eine äußere Bestandsaufnahme. Die angepflanzten Bäume auf dem neuen Platz Weimars sind gewachsen und werden wohl bald wieder in Blüte stehen. Was schon mal eine gute Nachricht ist. Doch wie eine steinerne Trutzburg erhebt sich dahinter der Monolith des Museums. Als ordinärer Hochbunker. In Beton gegossene, zeitgenössische Antwort auf den Gebäudekomplex des ehemaligen Gauforums samt frisch saniertem Studentenwohnheim am Jakobsplan der frühen 1970iger Jahre. Kurzum, ein komplett verbetonplattetes Ensemble in geronnenster Form. Hier hat die Architektin Wort gehalten. Indem sie Gleiches mit Gleichem vergolten hat.
Platte gegen Platte, Beton gegen Betonguss, dass es nur so trümmert.
Doch was anfänglich nachvollziehbar und architekturtheoretisch überzeugend gewesen sein mag, wirkt im realen Leben außerordentlich ernüchternd. Denn die vermeintlich erhellende Idee der minimalistisch agierenden Architektin will im realen Leben nicht wirklich überzeugen.
Auch nicht nach drei Jahren der Eingewöhnung an etwas Neues. Heraus gekommen ist unfreiwilliger Platz-Brutalismus der 1970iger Jahre, welcher andernorts längst überwunden wurde. Nicht die kleinste Spur ökologischer Nachhaltigkeit. Da helfen auch keine begrünten Hohlwege hinter dem Gebäude.
Auf dem neu geschaffenen Plattenplatz verweilt niemand wirklich und neigt eher zum hastigen Überqueren denn zum Verweilen. Einzig die lokalen Skater und Radfahrer hatten ihn sofort in Besitz genommen und kollidieren bisweilen mit Besuchern des Museums. Aber auch in der Dämmerung hat es seine ästhetischen Schleuder. So hat sich die horizontale Wandstreifenbeleuchtung des Museumsbaus über die Jahre als äußerst störanfällig erwiesen. Bei positiver Interpretation könnte man das noch als konzeptuelle Lichtkunst durchgehen lassen. Anders verhält es sich bei einem Spaziergang durch den angrenzenden Weimarhallenpark. Der sei zu jeder Tageszeit und vor allem in der Dämmerung empfohlen. Denn wenn man über den Gondelteich auf jenes neue Areal schaut, schwebt das Museum im Teich gespiegelt als Gebäude-Ensemble. Einzig jener Blick mag etwas versöhnen. Wenn man ihn denn sucht.
(Claus Bach)
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