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Claus Bachs Bildarchiv: Imperfekte Technik

23. August 2023 / Radio, Stadtzeit,Mediathek
Claus Bachs Bildarchiv, Foto: Claus Bach
Claus Bachs Bildarchiv, Foto: Claus Bach

 Am 19. August wurde kürzlich wieder der sogenannte "Welttag der Fotografie" begangen. Er soll an den Geburtstag der Fotografie am 19. August des Jahres 1839 erinnern. An jenem Tag wurde das Patent der ersten lichtempfindlichen fotografischen Platte von der damaligen französischen Regierung erworben und zur Nutzung für die Weltöffentlichkeit freigegeben. Der Rest ist bekannte Kunsthistorie.

Bis heute hat sich jenes Medium gemäß dem Stand der Technik stets gehäutet und entwickelt. Altes weicht Neuem. So ist die zeitgenössische Fotografie auf dem Niveau nahezu fehlerfreier Perfektion angekommen. Im Sekundentakt entstehen makellos cleane digitale Fotografien, die vor Jahren noch nicht möglich gewesen wären.

Was beileibe nicht heißt, dass vergangene fotografische Verfahren ab sofort nicht mehr genutzt werden. Im Gegenteil. Die analoge Fotografie erlebt schon länger ihre ganz eigene Renaissance. Als eine Art Gegenbewegung zur aalglatten Digitalfotografie. Mit allen technisch-ästhetischen Risiken und Nebenwirkungen. Denn gerade letztere lassen fotografische Bilder entstehen, die erst durch ihre Fehler lebendig werden und genau deshalb Imaginationen erzeugen. Dabei wird der Makel bisweilen zum Programm. In dem längst vergessene Aufnahmetechniken wie die der sogenannten Mehrfachbelichtung auf ein Stück Film neu zelebriert werden. Der Berliner Fotograf und Architekt Andreas Beetz hat sich das in durchtriebener Art zu eigen gemacht und daraus eine ganz eigene konzeptionelle Strategie entwickelt. Mit analoger Kamera und veraltetem Filmmaterial durchstreifte er thüringische Dörfer und belichtete dabei ein Negativ bis zu 20 mal.

Jeweils aus verschiedenen Blickwinkeln und Richtungen. Unter anderen auch die Dorfkirche in Gelmeroda, den Klassiker. Heraus gekommen sind ungemein expressiv bis kubistische Fotografien in rätselhaft monochromer Farbigkeit, die sofort an die Grafiken des berühmten Bauhaus-Meisters Lyonel Feininger erinnern. Und genau das ist das Besondere.

Eine fotografische Hommage an den Geist des Ortes.

„Looking for Lyonel. Prismatische Kirchen" heißt dann auch folgerichtig seine Fotostrecke. Zu sehen ist sie noch bis zum 26. August in den Räumen der M BOOKS Buchhandlung in der Marktstraße 16 in Weimar. Geöffnet Dienstag - Samstag von 12 bis 18 Uhr.

 

(Claus Bach)

Claus Bachs Bildarchiv: Imperfekte Technik

Autor: nbv