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Claus Bachs Bildarchiv: Kurz und kunstbeliebig
06. November 2024 / Radio, Stadtzeit,Mediathek
Seit dem 21. Oktober 2024 ist im Weimarer Atrium eine ganz eigene Ausstellung zu erleben. In dessen Erd- und Untergeschoss werden Arbeiten des weltbekannten Street-Art-Künstlers Banksy präsentiert. „Banksy Gesetzlose Kunst" heißt sie schlicht und zeigt nun viele seiner bekanntesten Graffiti. In Form handgemalter Repliken, die von Künstlern aus Warschau, Berlin und New York gefertigt wurden. Unter Verwendung spezieller Schablone- und Ölmaltechniken. Genau jener Umstand wird von den Veranstaltern besonders hervor gehoben. Und freilich auch jener, dass Banksy selbst keine Einwände gegen die Ausstellung hat. Wenngleich er sie allerdings nicht wirklich autorisiert hat. Ein ziemlicher Widerspruch.
Und so begegnet man seinen spektakulärsten Arbeiten nun auch in Weimars einziger Shopping Mall. Als da wären das „Girl with Balloon", „Flower Thrower", „Monkey Queen" oder „Pulp Fiction" und andere. Flankiert von Videos und Statements seiner Aktionen und dem lebensgroßen Dummy eines ganz in schwarz vermummten Graffiti-Künstlers mit Kapuzenshirt und weißer Gesichtsmaske. Der steht irgendwie verloren in einer Ecke des Ausstellungsraumes. Apropos verloren. Genau so wirkt die Anordnung aller Bilder in den zwei Ausstellungsetagen. Und auch derartig beliebig, dass sie an die Erstsemester - Show von Studies einer Kunstakademie erinnert. Dutzende Banksy-Repliken hängen an weißen Wänden. Perfekt ausgeleuchtet. Besser hätte man die subversive Energie des bis heute anonym agierenden Street- Art Aktivisten nicht weginstallieren können. Die gesamte Atmosphäre der Präsentation verströmt den Charme einer Ausstellung in den cleanen Räumen einer Arztpraxis oder Anwaltskanzlei.
Es ist, als ob Banksys Graffiti-Repliken eine Transformation zu mehr oder weniger harmlosen Dekorationsbildern durchlaufen. Mit ein bisschen hübsch ästhetisiertem Protest-Schick. Selbst die Beschreibung auf der Website der Ausstellung wirkt ähnlich austauschbar: „Jedes Werk von Banksy ist ein präziser Schlag, der die tiefsten Winkel unseres Bewusstseins trifft", wird da allen Ernstes formuliert. Und weiter: „Manche halten ihn für ein Genie und einen Helden, andere für einen Verbrecher und Scharlatan. Eins ist sicher: Banksy lässt niemanden gleichgültig". Doch, genau das lässt es. Zumal sowas stark nach typisch austauschbaren Chat GPT-Formulierungswust klingt. Die ausgerufene „Gesetzlose Kunst" ist zum Shopping Mall - Beifang geworden, der glatt als domestizierte Produkt - Reklame durchgeht.
Doch letztens heiligt der Zweck die Mittel. Offensichtlich hat Banksys Team die Angelegenheit als präsentationstechnischen Kollateralschaden durchgewunken. Denn selbst diese ernüchternde Ausstellung funktioniert dennoch als durchtriebene kostenlose PR.
Sie ist noch bis zum 25. November 2024 während der Öffnungszeiten im Atrium zu sehen.
Claus Bach
Claus Bachs Bildarchiv: Kurz und kunstbeliebig