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Claus Bachs Bildarchiv: Wahr oder gelogen?

09. November 2023 / Radio, Stadtzeit,Mediathek
Claus Bachs Bildarchiv, Foto: Claus Bach
Claus Bachs Bildarchiv, Foto: Claus Bach

Am Abend des 05. Oktober 2021 berichtete der jüdische Sänger Gil Ofarim in einem Instagram - Kurzvideo über seine diskriminierende Behandlung an der Rezeption des Hotels "Westin" in Leipzig. Soeben hätte ihn ein Mitarbeiter des Hotels angewiesen, seine Kette mit Davidstern-Anhänger abzulegen, bevor er ins Hotel einchecke. Und schlagartig brach ein Shitstorm in allen Medien los. Den hatte Ofarim schon während der Auseinandersetzung mit besagtem Hotelangestellten angekündigt. Und mehr noch: Spontan fanden sich über achthundert Menschen vor dem Hotel ein, um gegen Rassismus jedweder Art zu protestieren. Reflexartig überschlugen sich mediale Kommentare und Proteste ob des latenten Rassismus und Antisemitismus in der bundesdeutschen Gesellschaft. Auch der Zentralrat der Juden Deutschlands protestierte. Und dann kam alles anders. Nach Monaten gegenseitiger Schuldzuweisungen, detaillierter Zeugenbefragungen und erneuten Sichtungen der Webcam vor dem Hotel wurde klar, das Gil Ofarim schlicht gelogen hatte. Oder besser gesagt, die Halbwahrheit bedient hatte. Besagten Stern trug er unter seinem Shirt, für niemanden sichtbar. Offenbar war der Sänger schlicht frustriert, dass auch er in der Warteschlange im Leipziger Hotel stehen musste.

Daraufhin hatte die Leipziger Staatsanwaltschaft im April 2022 Anklage gegen Ofarim wegen falscher Verdächtigung und Verleumdung erhoben. Das wiegt um so schwerer. Denn damit hat Ofarim einen flächendeckenden Schaden angerichtet und nicht nur die eigene Glaubensgemeinschaft benutzerdefiniert vorgeführt. Bis jetzt hält sich der Zentralrat der Juden Deutschlands zurück und will den Ausgang des anstehenden Verfahrens abwarten. Schon jetzt dürften sich jene achthundert Leipziger Demonstranten und viele kommentierende Journalist:innen mehr als düpiert vorkommen. Genarrt und medial für die Eitelkeit eines Performers eingespannt. Den größten Bärendienst allerdings hat Gil Ofarim nicht den latenten, sondern den real existierenden Antisemiten und Rassisten erwiesen. Für jene ist er ab sofort Fleisch gewordenes Beispiel ihrer herbeigeredeten berechnenden "Verlogenheit der jüdischen Rasse". Was für eine Schande. Wenn es denn so stimmen sollte. Genau darüber wird seit dem gestrigen Dienstag, dem 07. November 2023, am Leipziger Landgericht verhandelt. Bisher steht noch Aussage gegen Aussage. Zehn Verhandlungstage sind angesetzt und 30 Zeugen geladen. Unter anderen jener Digital-Forensiker, welcher die damaligen Aufnahmen der Überwachungskamera vor besagtem Hotel ausgewertet hatte.

(Claus Bach)

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Autor: nbv