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Claus Bachs Bildarchiv: Wehret den Anfängen

22. März 2023 / Radio, Stadtzeit,Mediathek
Claus Bachs Bildarchiv, Foto: Claus Bach
Claus Bachs Bildarchiv, Foto: Claus Bach

Am vergangenen Montag, dem 20. März, jährte sich der Beginn des dritten Golfkriegs zum 20. Mal. Der Einmarsch der sogenannten "Koalition der Willigen" erfolgte 2003 unter Führung der USA. Als Hauptgrund wurde die Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak und deren zukünftiger militärischer Einsatz angegeben.

Während der damaligen Sitzung des UN-Sicherheitsrates hatte US-Außenminister Colin Powell eine Serie Satellitenfotos und abgehörte Tonaufnahmen als vermeintliche Beweise präsentiert. Als Powell nach seiner Rede am 05. Februar 2003 vor die Weltpresse trat, war der im Foyer des UN-Hauptgebäudes hängende Wandteppich "Guernica" des Künstlers Pablo Picasso mit einem blauen Tuch verhüllt worden. Picasso hatte ihn nach der Vorlage seines gleichnamigen Bildes für das Haus geschaffen. Letzteres war eine Reaktion auf die verheerende Bombardierung der nordspanischen Stadt Guernica durch die Legion Condor der deutschen Luftwaffe im Jahr 1937.

Einst wurde die UN zur Erhaltung des Weltfriedens gegründet und jener Gobelin ist bis heute eine ständige Mahnung, an der alle Ratsmitglieder vor dem Betreten des berühmten Sitzungssaals vorbeigehen müssen. Offensichtlich wollte die UNO den Kriegsstrategen nicht zumuten, auf das Bild zu schauen, das weltweit als Symbol für den Frieden gilt. Den UN-Diplomaten schien es unangemessen, dass Powell vor einem derartigen Hintergrund die Weltöffentlichkeit von der Notwendigkeit eines Krieges gegen den Irak zu überzeugen versucht. So wurde schnell deutlich, dass eine vermeintlich angegilbte Kunst auch heute noch eine ihrer klassischen innewohnenden Eigenschaften unverwüstlich behalten hat:

Ein schonungsloses Offenlegen von Widersprüchen und damit einhergehende veränderte Sichtweisen auf die Dinge.

So verriet der Fall des verhüllten Guernica-Wandteppichs zumindest einiges über den nicht gerade couragierten Zustand damaliger UN-Diplomatie: Die offensichtliche Diskrepanz zwischen Antikriegsbild und propagierter Kriegsstrategie wurde durch vorauseilende visuelle Kapitulation geklittert. Eine mehr als peinliche Lösung.

Da wirkten auch vermeintliche Erklärungsversuche wie die der "Vermeidung zusätzlicher irritierender Situationen" umso hilfloser. Massenvernichtungswaffen wurden niemals im Irak gefunden. Sie sollten sich als benutzerdefinierte Erfindung der damaligen US-Administration herausstellen. Im September 2005 hat Colin Powell in einem Interview jene Situation rückblickend als den "Schandfleck" seiner Karriere bezeichnet. Der Irak ist bis heute alles andere als befriedet.

(Claus Bach)

Claus Bachs Bildarchiv: Wehret den Anfängen

Autor: nbv