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Claus Bachs Bildarchiv: Wie im Märchen
11. August 2021 / Radio, Stadtzeit,Mediathek
Im Grünen sitzt es sich immer gut. Das dachten sich auch die Macher des Modemagazins "Vogue Scandinavia". Denn das Cover der schwedischen Erstausgabe zeigt niemand anderen als die Gallionsfigur der Fridays for Future-Bewegung: die Klimaaktivistin Greta Thunberg. In weiches Licht getaucht, sitzt sie in einem bräunlichen, trenchcoat-ähnlichem Gewand in einem Waldstück und streichelt den Kopf eines Pferdes. Zweifellos ist das ein außerordentlich romantischer Moment, der auch gut als Illustration eines Märchens durchgehen könnte. Fast wie im Paradies.
Doch Greta Thunberg wäre nicht Greta Thunberg, wenn sie jene Situation nicht entsprechend kommentieren und als Plattform nutzen würde. Auf ihrem Twitter Account bringt sie unter dem Vogue-Foto selbstverständlich ihre Kritik an der Fast Fashion-Modeindustrie zum Ausdruck. In ihrem Statement weist sie auf den umweltzerstörerischen und ressourcenverschlingenden Charakter jener Industrie hin. Zugleich kritisiert sie auch das üblich gewordene Greenwashing der Branche. Also jene verlogene Art und Weise, Fast Fashion-Klamotten als vermeintlich umweltfreundlich zu etikettieren. Ohne dabei wirklich etwas für Klima und Umwelt zu tun. Des Weiteren ruft sie zur Nachhaltigkeit beim Bekleidungskauf auf: "So, wie die Welt heute geformt ist, kann man Mode nicht in Massen produzieren oder ›nachhaltig‹ konsumieren". Sie selbst kauft nur noch Second Hand-Klamotten oder leiht sich welche aus. Das allerdings haben Journalistinnen wie Naomi Klein schon vor über zwanzig Jahren eindringlich vermittelt.
Doch wie auch immer ihre Kommentare ausfallen, hat jene Kampagne außerordentliche Schlagseite.
Denn Greta Thunberg verdampft förmlich im visuellen Hochglanz-Countrystyle. Die märchenhaft inszenierte Atmosphäre saugt sämtliche unangenehme Begleiterscheinungen des zeitgenössischen Modekonsums auf. Indem sie jene schlicht vergessen macht und durch den ganz und gar schönen Schein ersetzt. Das tun Modemagazine für gewöhnlich. So wie Wasser nass macht.
Mit jener Fotostrecke könnte Greta Thunberg genau da angekommen sein, wo sie wahrscheinlich niemals wirklich hinwollte: Im ordinären Promihimmel der hippen Klima-Lifestyleszene.
Ein werbendes Mittel zum Zweck der Fridays for Future-Bewegung sieht ganz bestimmt anders aus.
Da helfen auch keine noch so kritischen Statements.
(Claus Bach)
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